Interview mit dem Beirat der LKJ Sachsen
Im Rahmen des Verbandsentwicklungsprozesses „Roadmap now! Verbandsarbeit diversitätsorientierter gestalten und Zugänge schaffen“ unterstützt seit November 2025 ein Beirat die Arbeit der LKJ Sachsen. Seine Mitglieder bringen unterschiedliche fachliche Perspektiven, Erfahrungshintergründe und gesellschaftliche Positionierungen zusammen.
Die Fragen wurden von Emilia Dreyßig, Fabian Ng’uni und Natalia Peña Ascarrunz beantwortet.
Fabian: Ein wichtiges Ziel war für mich, die Organisation besser kennenzulernen. Gleichzeitig wollte ich mich mit meinem Wissen, meinen Erfahrungen und meiner Perspektive zu den Themen Inklusion, Diversität und Rassismuskritik einbringen. Dabei bin ich auf eine offene und lernende Organisation gestoßen, die bereit ist, Impulse aufzunehmen und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Emilia: Mein erstes Ziel war es, die bestehenden Strukturen der LKJ tiefgehend zu ergründen. Dank der vielfältigen Perspektiven unserer Mitglieder konnten wir Bestehendes kritisch hinterfragen und konkrete Verbesserungsansätze für mehr Offenheit und Teilhabe entwickeln. Unsere unterschiedlichen Blickwinkel haben wir so bereits in viele verschiedene Projekte einfließen lassen.
Natalia: Wir wollten konkrete Bereiche der LKJ mit unterschiedlichen Perspektiven anschauen und dort Impulse geben, wo Zugänge, Sprache oder Strukturen noch verbessert werden können, zum Beispiel bei Stellenausschreibungen, Onboarding, Mitgliederarbeit und Fachforum. In kurzer Zeit konnten wir dazu schon sehr konkrete Rückmeldungen, Fragen und Empfehlungen entwickeln, die direkt in die weitere Arbeit der LKJ einfließen können. Für mich persönlich war ein wichtiges Ziel, als Migrantin mehr Sicherheit darin zu gewinnen, meine eigenen Erfahrungen als wertvollen Beitrag einzubringen.
Lisa: Mir hat es großen Spaß gemacht meine Perspektive in die Aufgaben einzubringen. Alle sind sehr offen für viele neue Anregungen. Besonders schön fand ich meinen Einsatz auf dem JKF (Anm.: Jugendkunstfestival).
Fabian: Es hat sich sehr gut angefühlt, Teil dieses Beirats zu sein. Die Organisation, Vorbereitung und Moderation der Treffen waren sehr gut. Auch die zu erfüllenden Aufgaben waren klar beschrieben und in ihrem Umfang angemessen.
Emilia: Ich habe die Beiratstätigkeit als unheimlich bereichernd und dynamisch wahrgenommen. Von Anfang an ging es uns nicht nur darum, bestehende Strukturen zu verwalten, sondern die LKJ durch den Beirat aktiv weiterzuentwickeln. Der Austausch auf Augenhöhe hat es ermöglicht, Barrieren abzubauen und neue Impulse direkt in die Praxis und die Projekte der kulturellen Bildung einfließen zu lassen.
Natalia: Ich habe besonders die Offenheit, Flexibilität und Menschlichkeit des gesamten Teams geschätzt, gerade das Verständnis dafür, dass wir alle unterschiedliche Kapazitäten, Lebensrealitäten und zeitliche Möglichkeiten mitbringen, empfinde ich heute als unglaublich wichtig. Für die Zukunft würde ich versuchen, einen größeren Teil der gemeinsamen Arbeit stärker auf den Jahresanfang zu legen, denn ab Mai bis zu den Sommerferien ist es schwieriger, alles zu koordinieren.
Fabian: Ich würde insbesondere Kulturinstitutionen die Einrichtung eines Beirats empfehlen. Externe Perspektiven auf die eigene Praxis tragen dazu bei, die Institutionen zu öffnen. Sie schärfen einen kritischen Blick auf bestehende Regeln, Routinen, Zugänge und Barrieren.
Emilia: Ich empfehle prinzipiell allen Einrichtungen, diesen Schritt zu gehen. Dabei muss es gar nicht zwingend die feste Struktur eines Beirats sein, wie ihn die LKJ hat. Der entscheidende Aspekt liegt schlicht darin, sich gezielt Menschen von außen an die Seite zu holen, welche die eigene Praxis neu beleuchten und eingefahrene Routinen oder Zugangsbarrieren kritisch hinterfragen. Genau dieser Austausch ist der Schlüssel, um die Einrichtung für alle Menschen zugänglich zu gestalten.
Natalia: Auf jeden Fall, ich finde einen Beirat unglaublich wertvoll, weil selbst sehr reflektierte und diversitätssensible Organisationen irgendwann bestimmte Routinen und Selbstverständlichkeiten entwickeln. Eine externe Perspektive kann Dinge sichtbar machen, die von innen kaum noch auffallen, neue Fragen öffnen und dadurch die eigene Arbeit und die Strukturen wirklich bereichern.

