Rückschau Fachtagung „Hochkonjunktur für kulturelle Bildung – alles ist gut?“

„Auch die Abwertung der kulturellen Bildung ist ein Akt kulturellen Lehrens."

In diese Worte fasste Prof. Dr. Daniel Haun eine zentrale Erkenntnis in der aktuellen Diskussion um kulturelle Bildung aus kindlicher Sicht. Denn wenn kulturpolitische Akteure der kulturellen Bildung konzeptionell und finanziell keinen Raum geben, wenn sie stattdessen anderes fördern, dann marginalisieren sie kulturelle Bildung und werten sie ab, erklären sie für unwichtig.

So kann diese Feststellung vielleicht als Merksatz der diesjährigen Fachtagung der LKJ Sachsen e.V. gesehen werden, die am 5. März im Buddehaus in Leipzig mehr als 70 Teilnehmende anlockte und mit renommierten Referierenden besetzt war. Die in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Leipzig durchgeführte Tagung rückte mit ihrer Themenformulierung  „Hochkonjunktur für kulturelle Bildung – alles ist gut?“ den vermeintlichen aktuellen Hype dessen, was kulturelle Bildung ist, in den Mittelpunkt.

So hinterfragten die ausgewiesenen Experten in ihren Vorträgen die aktuelle Praxis der kulturellen Bildung, indem sie nach zeitgemäßen Angeboten und Herausforderungen kultureller Bildung für Jugendliche (Dr. Christine Range) in der medial vielfältigen und digital vernetzten Welt von heute und morgen fragten (Prof. Dr. Susanne Keuchel) oder die Spannung zwischen Zweckorientierung, Ökonomie und kreativer Offenheit thematisierten (Prof. Dr. Johannes Bilstein). Damit verknüpft war auch die Notwendigkeit der Selbstvergewisserung über das Grundverständnis von kultureller Bildung, ihrer Qualität und Wirksamkeit. In der Diskussion ging es nicht nur um die (mangelnde) Wertschätzung oder gar Ausgrenzung bestimmter Bereiche kultureller Bildung und ihre Folgen (geplante Kürzungen des Musik- und Kunstunterrichts), sondern auch um die Frage, wen kulturelle Angebote tatsächlich erreichen und welche (Rahmen-)Bedingungen für eine möglichst breite Zugänglichkeit erfüllt sein müssen.

Neben den theoretischen Ausführungen sorgten ausgewählte Best-Practice-Beispiele für Inspiration und dienten als Veranschaulichung gelungener kultureller Bildungsarbeit und Teilhabe.
Die interaktiven Formate eines Walk-and-Talk und einer World-Café-Runde ermöglichten das gegenseitige Kennenlernen und den Gedankenaustausch: So diskutierte man über provokative Thesen zur kulturellen Bildung, über Fragen nach dem Verhältnis von Ergebnisorientierung und Disziplin zu Prozessoffenheit und Spaß, nach Wegen und Formaten, nicht kulturaffine Kinder und Jugendliche zu erreichen oder gesellschaftliche Themen in kulturellen Projekten zu verhandeln. Gerade diese Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen und Positionen kritisch zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu stellen, zeichnete die Tagung aus.

Das Programm endete konsequenterweise mit einer Podiumsdiskussion, in der Dr. Christine Range, Geschäftsführerin der LKJ Sachsen e.V., von den Podiumsteilnehmern, Ulf Großmann (Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen), Susanne Kucharski-Huniat (Leiterin des Kulturamtes der Stadt Leipzig), Michael Krüger (Referent Allgemeine Kulturförderung/Kulturräume im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst) und Reinhard Riedel (Koordinator Kulturelle Bildung im Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen) wissen wollte, wer nach welchen Kriterien entscheidet, was gefördert wird und was von dem mit Spannung erwarteten Konzept zur kulturellen Kinder- und Jugendbildung zu erwarten sei.

Beim anschließenden Empfang wurde das 25-jährige Bestehen der LKJ Sachsen e.V. und ihr ebenso langjähriges Eintreten für die Verbesserung der Rahmenbedingungen für kulturelle  Bildungsarbeit, Ehrenamt und Bildungsgerechtigkeit mit zahlreichen Gästen, Grußworten und musikalischem Rahmenprogramm gebührend gewürdigt und gefeiert und natürlich das Versprechen gegeben, auch in Zukunft so engagiert und tatkräftig zu bleiben wie bisher - laut und kein bisschen leise.

Anna Lee Engel
Praktikantin bei der LKJ Sachsen e.V.


Der Eröffnungsvortrag der Fachtagung von Dr. Christine Range zum Thema "Meilensteine und Stolpersteine. Warum vieles gut, aber noch nicht alles gut genug ist" steht als pdf zum Dowlnload bereit. 



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